
Das Mädchen vom Goldenen Horn
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Asiadeh hob den Kopf. Ihre grauen Augen blickten nachdenklich und ernst. »Dieses ›i‹?« wiederholte sie mit leiser und weicher Stimme. Sie schwieg eine Weile und sagte dann entschlossen und verzweifelt: »Dieses ›i‹ ist das jakutische Gerundium, ähnlich der kirgisischen Form ›barisi‹.«
Bang rieb sich seine lange gebogene Nase. Seine Augen hinter der runden Stahlbrille glichen den weisen Blicken einer Eule. Er schnaufte leise und mißbilligend.
»Ich halte«, sagte er und schlug mit dem knochigen Finger an den Tisch, »ich halte dieses ›i‹ im jakutischen ›bari‹ für ein Possessivsuffix. Bari bedeutet ›die Gesamtheit‹ und die i-Form, die wir statt der vertrauten jakutischen a-Form finden, muß einer jüngern Palatalisierung entstammen. Wie lautete denn das ursprüngliche Nomen?«
»Bar — das Vorhandene«, sagte Asiadeh.
»Ja«, sagte Bang nachdenklich und wehmütig. »Das Vorhandene, und es kann, wie jedes andere Nomen, dekliniert werden. Im Kumikischen lautet der Stamm gleichfalls ›bari‹. Balkarisch und Karatschaewisch dagegen ›barasin‹. Ich kann mir dennoch das Fehlen des ›a‹ in der jakutischen Form nicht restlos erklären.«
- Жанр
- Классическая проза
- Год написания
- 2013
- Издание
- Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, 2001
- ISBN
- 3-88221-289-6
- Язык
- de
- Размер FB2
- 674,0 КБ
- Добавлена