
Tod im Hexenwinkel
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Das Arbeitszimmer des alten Privatgelehrten erstreckte sich über die volle Länge des kleinen Hauses. Der Raum mit seiner Balkendecke lag einige Fuß tiefer als die Eingangstür; die Sprossenfenster an der Rückseite wurden von einer Eibe beschattet, durch die jetzt die Spätnachmittagssonne ihre Strahlen schickte.
Etwas Unwirkliches liegt über der reichen, verschlafenen Schönheit der ländlichen Gegenden Englands, den saftigen dunklen Wiesen, den immergrünen Wäldern, den grauen Kirchtürmen und gewundenen weißen Landstraßen. Einem Amerikaner, der noch das Bild der heimischen, von Verkehrsdünsten umwogten und mit roten Tankstellen gesäumten Betonautobahnen in sich trägt, fällt dies besonders angenehm auf. Es weckt die Vorstellung, daß man hier sogar mitten auf der Straße zu Fuß gehen kann, ohne lächerlich zu wirken.
Tad Rampole beobachtete durch die Gitterfenster die Sonne und die dunklen roten Beeren, die in der Eibe schimmerten. Ihn erfaßte das Gefühl, das den Reisenden nur auf den Britischen Inseln überkommen kann - das Gefühl, die Erde sei alt und verwunschen; die Empfindung, all die flüchtigen Bilder, die das Wörtchen »früher« heraufbeschwört, seien Teil der Wirklichkeit. Frankreich ändert sich wie die Mode, es scheint nie älter zu sein als die Hüte der letzten Saison; in Deutschland haben sogar die Legenden, wie mechanisches Spielzeug aus Nürnberg, die Frische eines ratternden Uhrwerks. Doch dieses England mutet auf eine unbegreifliche Weise noch weit älter an als die efeubärtigen Türme, die es trägt; das Glockenläuten bei Einbruch der Dämmerung scheint aus fernen Jahrhunderten herüberzuklingen. Es herrscht eine große Stille, durch die Gespenster huschen und in der Robin Hood noch heute umhervagabundiert.
- Жанр
- Классический детектив
- Издание
- 1986
- Язык
- de
- Размер FB2
- 635,8 КБ
- Добавлена