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Freie Stunden am Fenster

Вильгельм Гауф

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Mein Onkel war gestorben. Er hinterließ ein hübsches Vermögen, das meinen heimlichen Kummer wieder stillen konnte; aber er hatte es einer Witwe vermacht, die er noch in seinen alten Tagen gern gesehen. Ich erklärte, der Wille des Seligen sei mir zu heilig, als daß ich ihn umstoßen möchte, d. h., die Advokaten hatten mir gesagt, daß ich den Prozeß in allen Instanzen verlieren würde; aber die ganze Stadt pries meinen Edelmut. Sie hatte gut loben, die ganze Stadt, loben kostet nichts. Aber um so viele Hoffnungen betrogen, um das ganze Vermögen des Onkels ärmer zu sein, das war hart! Ich habe in meiner Jugend im Kinderfreund gern ein Stück gelesen, es hieß „Edelmut in Niedrigkeit“; nachher hat mich oft ein anderes, „Armut und Edelsinn“, bis zu Tränen gerührt. - War es vielleicht die Ahnung, daß ich einst diese Rolle selbst spielen müsse, was mir Tränen auspreßte? Meinen einzigen Trost, meine süße Hoffnung, die Tante in Leipzig, rührte vor vier Wochen der Schlag. Ich, ihr nächster Leibeserbe, machte bei dieser Nachricht bedeutende Einkäufe in schwarzem Tuch, zog einen ganz neuen Menschen an, und meine Bekannten wußten sich diesen Aufwand nicht zu erklären. Die Tante hat ihre Taler einem ganz fremden Menschen vermacht. Ich dachte anfänglich aus Haß gegen mich, weil ich einmal geäußert, die Zeitung für gebildete und noble Menschen sei schlechtes Zeug; sie aber hatte alles trefflich und genial gefunden. Aber nein, es verhielt sich anders. Die Tante, ich erfuhr es erst vor einigen Tagen, die selige Tante war Schriftstellerin gewesen. Unter dem Namen Idoina Strahlen hatte sie in die Zeitung für noble usw. Erzählungen, Aphorismen aus ihrem Leben, Romanzen und dergleichen geliefert. Ja, sie hatte sogar Romane für Leihbibliotheken geschrieben.

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Жанр
Публицистика
Год написания
1826
Язык
de
Размер FB2
80,1 КБ
Добавлена